{"id":318,"date":"2015-02-28T18:33:58","date_gmt":"2015-02-28T17:33:58","guid":{"rendered":"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=318"},"modified":"2015-03-05T15:59:24","modified_gmt":"2015-03-05T14:59:24","slug":"zum-nutzen-von-zinsswaps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=318","title":{"rendered":"Zum Nutzen von Swaps (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Wozu ben\u00f6tigt man eigentlich Zinsswaps? Normalerweise erf\u00e4hrt die \u00d6ffentlichkeit nur dann etwas von solchen Gesch\u00e4ften, wenn sie geh\u00f6rig schief gegangen sind. Das wirft die Frage auf, ob \u00fcberhaupt ein &#8211; wohlgemerkt aus Kundensicht &#8211; sinnvoller Einsatz dieser Instrumente denkbar ist.<\/p>\n<p>In den folgenden Beitr\u00e4gen versuche ich, die M\u00f6glichkeiten und Grenzen &#8211; man k\u00f6nnte auch sagen den Sinn oder Unsinn &#8211; von Swapgesch\u00e4ften aufzuzeigen. Zum Einstieg stelle ich die Hintergr\u00fcnde des ersten \u00f6ffentlich dokumentierten Swaps dar.<!--more--><\/p>\n<p>Als Geburtsstunde des Swaps wird gemeinhin das Swap-Gesch\u00e4ft zwischen IBM und der Weltbank im August 1981 gesehen. Genau genommen ist dies ein wenig geflunkert, denn derartige Gesch\u00e4fte wurden in den 70er Jahren bereits von britischen Banken get\u00e4tigt, um ihren Kunden dabei zu helfen, die in Gro\u00dfbritannien herrschenden Devisenverkehrsbeschr\u00e4nkungen zu umgehen. (Wie so oft befl\u00fcgeln staatliche Markteingriffe in Form von Verboten die Phantasie der Marktteilnehmer, die dann ihrerseits Umgehungsstrategien entwickeln, die wiederum zu einem noch viel h\u00f6heren Regulierungsbedarf f\u00fchren &#8211; aber das ist ein anderes Thema&#8230;)<\/p>\n<p>Es w\u00e4re f\u00fcr eine so honorige Branche wie die der Finanzdienstleister nat\u00fcrlich undenkbar, wenn man in den Geschichtsb\u00fcchern lesen m\u00fcsste, dass eines der Block Buster Produkte aus einem H\u00fctchenspielertrick zur kreativen Umgehung regulatorischer Vorgaben hervorgegangen w\u00e4re. Insofern beugen wir uns also der konventionellen Legende und starten mit dem Swap zwischen IBM und Weltbank.\u00a0 Die Ausgangslage im Sommer 1981 war\u00a0 wie folgt:<\/p>\n<h1>Die Situation von IBM<\/h1>\n<p>IBM hatte sich in den vorangehenden Jahren in DEM und CHF verschuldet. Mit der Wahl von Ronald Reagan im Januar 1981 begann eine Phase der Aufwertung des USD gegen\u00fcber DEM und CHF. In der folgenden Grafik ist diese Wechselkursentwicklung durch den gepunkteten Rahmen markiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_373\" aria-describedby=\"caption-attachment-373\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-373 size-full\" src=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/USD_CHF_DEM.png\" alt=\"Wechselkursentwicklung DEM und CHF gegen USD (Quelle: Bundesbank, eigene Berechnungen)\" width=\"500\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/USD_CHF_DEM.png 500w, https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/USD_CHF_DEM-300x150.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-373\" class=\"wp-caption-text\">Wechselkursentwicklung DEM und CHF gegen USD (Quelle: Bundesbank, eigene Berechnungen)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Entwicklung war f\u00fcr IBM durchaus willkommen. Nehmen wir einmal an, IBM h\u00e4tte urspr\u00fcnglich DEM-Verbindlichkeiten i.H.v. 100 Mio. DEM im Januar 1979 aufgenomen. Bei dem damaligen Wechselkurs von rund 2 DEM\/USD w\u00e4re IBM demnach ein Darlehensbetrag von 50 Mio. USD zugeflossen. Im Juni 1981 h\u00e4tte IBM bei einem Wechselkurs von rund 2,50 DEM\/USD die 100 Mio. DEM mit 100 Mio. \/ 2,50 DEM\/USD = 40 Mio. USD tilgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>IBM h\u00e4tte im Juni 1981 also wechselkursbedingt rund 10 Mio. USD an seinen Verbindlichkeiten verdienen k\u00f6nnen. Analoge Wechselkursgewinne ergaben sich bei den in CHF aufgenommenen Mitteln. Allerdings standen der K\u00fcndigung der Verbindlichkeiten mehrere Hindernisse im Weg:<\/p>\n<ul>\n<li>die von IBM emittierten Anleihen und aufgenommenen Darlehen sahen keine vorzeitige K\u00fcndigung vor; IBM h\u00e4tte sie &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur gegen Zahlung einer Vorf\u00e4lligkeitspr\u00e4mie im Sommer 1981 k\u00fcndigen k\u00f6nnen;<\/li>\n<li>eine Neuemission von USD-Anleihen, um die bestehenden in EUR und CHF denominierten Eurobonds zu ersetzen, h\u00e4tte f\u00fcr IBM auch zus\u00e4tzliche Emissionskosten verursacht;<\/li>\n<li>bei K\u00fcndigung und Neuemission der Anleihen w\u00e4re f\u00fcr IBM der gesamte W\u00e4hrungsgewinn unter US-Recht steuerpflichtig gewesen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>IBM blieb also zun\u00e4chst nichts anderes \u00fcbrig, als die bestehende Darlehensposition zu halten &#8211; wobei mit jeder f\u00e4lligen Zahlung in EUR und CHF zus\u00e4tzlich auch noch Transaktionsspesen f\u00fcr den Devisentausch von USD in EUR oder CHF zu entrichten waren.<\/p>\n<h1>Die Situation der Weltbank<\/h1>\n<p>Die Weltbank schaute hingegen bei der Aufnahme ihrer Finanzmittel weniger auf den Wechselkurs sondern vielmehr auf die Zinsen, die f\u00fcr eine Verschuldung in den entsprechenden W\u00e4hrungen zu entrichten waren.<\/p>\n<p>Traditionell hatten die Schweiz und die Bundesrepublik niedrigere Zinsen, was u.a. daran lag, dass ihre Zentralbanken seinerzeit eine geringere Inflation zulie\u00dfen. In den USA hingegen versuchte Paul Volcker die Inflation mit einer entsprechend restriktiven Geldpolitik zu bek\u00e4mpfen, welche zu steigenden USD Zinsen f\u00fchrte. Dieser Zinsunterschied ergibt sich aus dem folgenden Schaubild, welches die historische Entwicklung der DEM-Umlaufrendite und die Rendite f\u00fcr 5-j\u00e4hrige US Treasury Notes vergleicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_375\" aria-describedby=\"caption-attachment-375\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-375 size-full\" src=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/yieldchart.png\" alt=\"DEM-Umlaufrendite und Rendite 5y T-Notes im historischen Vergleich (Quelle: Deutsche Bundesbank und Federal Reserve Board of Governors)\" width=\"500\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/yieldchart.png 500w, https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/yieldchart-300x150.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-375\" class=\"wp-caption-text\">DEM-Umlaufrendite und Rendite 5y T-Notes im historischen Vergleich (Quelle: Deutsche Bundesbank und Federal Reserve Board of Governors)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ganz lupenrein ist dieser Vergleich \u00fcbrigens nicht, da die <a href=\"http:\/\/boerse.ard.de\/boersenwissen\/boersenlexikon\/umlaufrendite-100.html\" target=\"_blank\">Umlaufrendite<\/a> ein gewichteter Durchschnitt der Sekund\u00e4rmarktrenditen aller Bundeswertpapiere mit einer Restlaufzeit zwischen 3 und 30 Jahren ist. Das Federal Reserve Board zeichnet demgegen\u00fcber die Rendite einer (i.d.R. hypothetischen) T-Note mit exakt 5 Jahren Restlaufzeit auf. Es ergibt sich also eine gewisse Laufzeiteninkongruenz beim obigen Zinsvergleich. Die durchschnittliche Restlaufzeit der in die Umlaufrendite eingehenden Bundespapiere d\u00fcrfte sich allerdings oberhalb von 5 Jahren bewegen, so dass die Grafik den Zinsspread zwischen einer Verschuldung in USD und DEM eher noch untertreibt.<\/p>\n<p>Nun stie\u00df allerdings auch die Weltbank bei ihrem Wunsch nach einer Mittelaufnahme in Niedrigzinsw\u00e4hrungen wie DEM oder CHF auf ein Problem:<\/p>\n<p>Die Kapitalm\u00e4rkte f\u00fcr DEM- und CHF-Anleihen waren bei weitem nicht so liquide wie der USD-Markt. Durch vorherige Emissionen in DEM und CHF (etwa die von IBM) waren diese M\u00e4rkte schon stark &#8220;ausgetrocknet&#8221; und Gro\u00dfemissionen, wie sie der Weltbank vorschwebten, h\u00e4tten zu ernsthaften Verwerfungen auf diesen M\u00e4rkten gef\u00fchrt.<\/p>\n<h1>Die L\u00f6sung<\/h1>\n<p>IBM wollte also aus seinen DEM- und CHF-Finanzierungen aussteigen, konnte es aber aus vertraglichen und steuerlichen Gr\u00fcnden nicht. Die Weltbank hingegen h\u00e4tte gerne eine solche Finanzierung aufgesetzt, scheiterte aber an der Markttiefe der DEM- und CHF-Anleihem\u00e4rkte. &#8211; Solche Situationen sind klassischerweise die Momente, in denen findige Investmentbanker ihre Chance sehen. So war es auch diesmal.<\/p>\n<p>Vereinfacht sah die L\u00f6sung vor, dass die Weltbank ihre Anleihen anstatt in DEM oder CHF zu begeben einfach wieder im liquiden USD-Bondmarkt aufnehmen sollte &#8211; und zwar in dem Umfang und mit den Laufzeiten, die den bei IBM aussetehenden DEM- und CHF-Anleihen entsprachen.<\/p>\n<p>IBM sollte sodann die auf USD lautenden Zins- und Tilgungszahlungen der Weltbank \u00fcbernehmen. Im Gegenzug \u00fcbernahm die Weltbank die Zins- und Tilgungszahlungen auf die DEM- und CHF-Anleihen von IBM.<\/p>\n<p>Durch die Swap-Vereinbarung leistete IBM ab sofort USD-Zahlungen auf eine USD-Anleihe, obwohl das Unternehmen sich seiner DEM- und CHF-Anleihen nicht entledigt hatte.<\/p>\n<p>Die Weltbank hingegen hatte zwar entgegen ihrer urspr\u00fcnglichen Intention USD-Anleihen begeben, leistete durch den Swap aber nur noch Zins- und Tilgungszahlungen in CHF und DEM.<\/p>\n<h1>Fazit<\/h1>\n<p>Der Nutzen eines Swaps besteht i.d.R. darin, dass man die ansonsten vertraglich nicht ver\u00e4nderbare Eigenschaften eines Darlehens (der Investmentbanker sagt in diesem Zusammenhang nicht Darlehen sondern spricht allgemeiner &#8220;Underlying&#8221;) beliebig modifizieren kann, ohne sich mit den urspr\u00fcnglichen Darlehensgebern auseinandersetzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das bedeutet allerdings <strong>nicht<\/strong>, dass ein solches Gesch\u00e4ft auch f\u00fcr alle Seiten eine Art &#8220;Gewinngarantie&#8221; beinhaltet. Wie gesehen hatten IBM und Weltbank unterschiedliche Perspektiven auf denselben Sachverhalt (n\u00e4mlich die Aufnahme von Verbindlichkeiten in verschiedenen W\u00e4hrungen): Bei IBM stand die Wechselkursentwicklung im Vordergrund, bei der Weltbank das Zinsniveau.<\/p>\n<p>Da s\u00e4mtliche Derivate immer bilaterale Vertr\u00e4ge darstellen, kann es die viel beschworene &#8220;Win-Win-Situation&#8221; per Definition niemals geben. Es muss also eine Partei gegeben haben, die mit dem Swap r\u00fcckblickend einen Gewinn erwirtschaftet hat, und eine Partei, die spiegelbildlich in der ex-post Betrachtung einen entsprechenden Verlust eingefahren hat. Obwohl diese Transaktion tausende von Malen in Fallstudien der Finanzindustrie beschrieben und beworben wurde, habe ich bis heute nirgendwo erfahren k\u00f6nnen, welcher der zwei Kontrahenten letzten Endes als Verlierer und welcher als Gewinner aus dem Swap hervorgegangen ist.<\/p>\n<h1>Ausblick<\/h1>\n<p>Gleichwohl geistert gerade im akademischen Umfeld immer wieder die Behauptung herum, Swaps k\u00f6nnten einen Gewinn f\u00fcr beide Seiten zu produzieren. Dabei beruft man sich auf die Ricardos Theorie der komparativen Kostenvorteile. Im n\u00e4chsten Beitrag werde ich mich mit dieser Behauptung besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wozu ben\u00f6tigt man eigentlich Zinsswaps? Normalerweise erf\u00e4hrt die \u00d6ffentlichkeit nur dann etwas von solchen Gesch\u00e4ften, wenn sie geh\u00f6rig schief gegangen sind. 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