{"id":387,"date":"2015-03-04T17:45:20","date_gmt":"2015-03-04T16:45:20","guid":{"rendered":"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=387"},"modified":"2015-03-17T00:33:19","modified_gmt":"2015-03-16T23:33:19","slug":"zum-nutzen-von-swaps-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=387","title":{"rendered":"Zum Nutzen von Swaps (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_388\" aria-describedby=\"caption-attachment-388\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-388 size-full\" src=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/240px-Portrait_of_David_Ricardo_by_Thomas_Phillips.jpg\" alt=\"David Ricardo (Portr\u00e4t von Thomas Phillips)\" width=\"150\" height=\"170\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-388\" class=\"wp-caption-text\">David Ricardo (Portr\u00e4t von Thomas Phillips)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In einem <a title=\"Zum Nutzen von Swap-Gesch\u00e4ften (Teil 1)\" href=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=318\">fr\u00fcheren Beitrag<\/a> hatte ich dargestellt, wie man mit Zinsderivaten wesentliche Eigenschaften von Grundgesch\u00e4ften (z.B. Darlehen) ver\u00e4ndern kann, ohne dass bei dem Grundgesch\u00e4ft selbst vertragliche \u00c4nderungen vorgenommen werden m\u00fcssen. Dies ist z.B. dann n\u00fctzlich, wenn der Modifikation des Grundgesch\u00e4fts vertragliche, (steuer-)rechtliche oder sonstige operative Hindernisse entgegenstehen.<\/p>\n<p>Daraus folgt jedoch nicht, dass der Einsatz von Derivaten so etwas wie eine grunds\u00e4tzliche Gewinngarantie verspricht. Vielmehr handelt es sich um einen bilateralen Vertrag, bei dem dem Gewinn der einen Partei immer auch ein spiegelbildlicher Verlust der anderen Partei gegen\u00fcber steht.<\/p>\n<p>Dennoch h\u00e4lt sich im akademischen Bereich hartn\u00e4ckig die Ansicht, dass Zinsswaps eine &#8220;Win-Win-Situation&#8221; f\u00fcr beide Seiten erzeugen k\u00f6nnten. Man beruft sich dabei auf die <strong>Theorie des komparativen Kostenvorteils<\/strong> von David Ricardo. Dieser Behauptung werden wir heute einmal auf den Grund gehen.<!--more--><\/p>\n<h1>Ausgangsidee von Ricardo<\/h1>\n<p>In seiner Ver\u00f6ffentlichung <i>Principles of Political Economy and Taxation<\/i> im Jahre 1817 besch\u00e4ftigte sich Ricardo u.a. mit der Frage, ob durch eine bessere internationale Arbeitsteilung ein h\u00f6heres Wohlstandsniveau f\u00fcr alle beteiligten Nationen erreichbar ist.<\/p>\n<h2>Zwei L\u00e4nder und zwei Produkte<\/h2>\n<p>Ricardos \u00dcberlegungen lauteten in etwa so:<\/p>\n<ul>\n<li>Wir nehmen zur Vereinfachung an, es gebe nur zwei L\u00e4nder (A und B), die beide nur 2 Produkte (\u00c4pfel und Milch) herstellen. Die \u00dcberlegungen lassen sich sp\u00e4ter auf beliebig viele L\u00e4nder und Produkte verallgemeinern.<\/li>\n<li>In Land A gibt es 10 Obstbauern, die pro Jahr jeweils 200kg \u00c4pfel produzieren, und 8 Milchbauern, die pro Jahr jeweils 50hl Milch erzeugen.<\/li>\n<li>In Land B gibt es 50 Obstbauern, die pro Jahr jeweils 300kg \u00c4pfel produzieren, und 10 Milchbauern, die pro Jahr jeweils 60hl Milch erzeugen.<\/li>\n<li>Wir nehmen zudem an, dass die Produktion in jedem Land beliebig zwischen \u00c4pfeln und Milch verschoben werden kann. So k\u00f6nnte z.B. in Land B im n\u00e4chsten Jahr ein Obstbauer auf Milcherzeugung umstellen. Dadurch w\u00fcrde die Apfelernte in Land A um 200kg sinken und die Milchproduktion um 50hl steigen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Tabellarisch k\u00f6nnen wir die Ausgangssituation wie folgt zusammenfassen:<\/p>\n<p>[table id=10 \/]<\/p>\n<h2>Relative und nicht absolute Produktivit\u00e4t entscheidend<\/h2>\n<p>Es f\u00e4llt zun\u00e4chst auf, dass die Bauern in Land A sowohl bei der Obst- als auch bei der Milcherzeugung eine niedrigere Pro-Kopf-Produktivit\u00e4t haben. Nach weitl\u00e4ufiger Ansicht d\u00fcrften sie also bei \u00d6ffnung ihrer M\u00e4rkte &#8220;keine Chance&#8221; gegen die Wettbewerber aus Land B haben. Ricardo h\u00e4lt dem jedoch entgegen, dass es (anders als noch von Adam Smith angenommen) nicht auf die absolute sondern auf die relative Produktivit\u00e4t ankommt.<\/p>\n<p>Volkswirte sprechen in diesem Zusammenhang von den sog. Opportunit\u00e4tskosten &#8211; gemeint ist damit: Auf wieviel kg Obst muss jedes Land verzichten, wenn es einen zus\u00e4tzlichen hl Milch erzeugen will?<\/p>\n<p>In Land A w\u00e4ren dies wie zuvor dargestellt 200kg Obst pro 50hl Milch &#8211; oder wenn man den Bruch entsprechend vereinfacht 200kg\/50hl = 4kg\/hl. In Land B beliefen sich die Opportunit\u00e4tskosten analog auf 300kg pro 60hl oder 5kg\/hl.<\/p>\n<p>Der zus\u00e4tzliche Hektoliter Milch kostet &#8211; in Obst gemessen &#8211; in Land B also mehr als in Land A. Land A &#8211; so Ricardos Folgerung &#8211; solle sich auf die Milcherzeugung spezialisieren und Land B auf die Obsterzeugung. Nehmen wir an, in Land A w\u00fcrden 3 der bisherigen Obstbauern auf Milch umstellen und in Land B w\u00fcrden 3 der bisherigen Milchbauern auf Obst umstellen. Dann erg\u00e4be sich ohne eine etwaige Mehrarbeit oder Mehrnutzung sonstiger Produktionsfaktoren folgendes Tableau:<\/p>\n<p>[table id=11 \/]<\/p>\n<h2>Ein &#8220;Swap&#8221; muss her<\/h2>\n<p>Es wird also insgesamt sowohl mehr Milch als auch mehr Obst erzeugt. Nun m\u00fcssen sich die L\u00e4nder &#8220;lediglich&#8221; noch darauf einigen, wie sie die gesamte Mehrproduktion untereinander aufteilen m\u00f6chten. Im vorliegenden Beispiel hat Land A im Vergleich zur Ausgangssituation zwar mehr Milch, ihm felhen jedoch 600kg Obst. Denkbar w\u00e4re z.B., dass Land A einen Teil seiner \u00fcbersch\u00fcssigen Milch gegen Obst mit Land B austauscht.<\/p>\n<p>Land A produziert in diesem Sinne also einen Teil der Milch f\u00fcr Land B, w\u00e4hrend Land B einen Teil des Obstes f\u00fcr Land A produziert. Dies hat in der Tat eine gewisse \u00c4hnlichkeit mit dem IBM-Weltbank-Swap aus Teil 1, bei dem IBM ja auch Schulden der Weltbank bediente und die Weltbank umgekehrt Verbindlichkeiten von IBM. Ricardo sprach damals in diesem Zusammenhang nat\u00fcrlich nicht von der Notwendigkeit eines Swaps, sondern von Freihandel.<\/p>\n<h1>\u00dcbertragung auf heutige Swap-Gesch\u00e4fte<\/h1>\n<p>Mit dem Wachstum der Derivatm\u00e4rkte fiel findigen \u00d6konomen auf, dass sich die Betrachtung komparativer Kostenvorteile nicht nur auf die Milch- und Obstproduktion anwenden lie\u00df, sondern auch auf unterschiedliche Finanzierungskonditionen bei der Aufnahme variabler und fester Darlehen.<\/p>\n<p>Das folgende Beispiel entstammt dem &#8220;<a href=\"http:\/\/www.buch.de\/shop\/home\/suchartikel\/options_futures_and_other_derivatives\/john_c_hull\/ISBN0-13-345631-5\/ID38251588.html?fftrk=1%3A1%3A10%3A10%3A1&amp;jumpId=13607331\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">Hull<\/a>&#8220;. Angenommen, wir haben zwei Unternehmen A und B. Jedes der Unternehmen m\u00f6chte 10 Mio. EUR aufnehmen. Die folgende Tabelle fasst die Konditionen zusammen:<\/p>\n<p>[table id=12 \/]<\/p>\n<p>Wir gehen davon aus, dass Unternehmen B am liebsten ein festverzinsliches Darlehen aufnehmen w\u00fcrde, das bonit\u00e4tsst\u00e4rkere Unternehmen A hingegen ein variabel verzinsliches Darlehen. Es f\u00e4llt auf, dass Unternehmen B im Vergleich zu A f\u00fcr ein festverzinsliches Darlehen einen h\u00f6heren Aufschlag (1,2 Prozentpunke) zahlen muss, als f\u00fcr ein variabel verzinsliches Darlehen (0,7 Prozentpunkte).<\/p>\n<p>Unternehmen A hat daher einen komparativen Finanzierungsvorteil bei der Aufnahme von Festzinsdarlehen, Unternehmen B hingegen bei der Aufnahme von variablen Darlehen. Beide Unternehmen k\u00f6nnen somit genau den Darlehenstyp vergleichsweise g\u00fcnstig aufnehmen, den sie gerade nicht pr\u00e4ferieren. Abhilfe schafft auch hier wieder ein Zinsswap:<\/p>\n<ul>\n<li>A nimmt ein Festzinsdarlehen zu 10% p.a. auf.<\/li>\n<li>B nimmt ein variabel verzinsliches Darlehen f\u00fcr 6M + 1% auf.<\/li>\n<li>A und B schlie\u00dfen einen Swap ab, in dem B dem A 9,95% fix zahlt und 6M EURIBOR erh\u00e4lt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die folgende Abbildung fasst den Swap und die Darlehensaufnahmen noch einmal zusammen:<\/p>\n<figure id=\"attachment_408\" aria-describedby=\"caption-attachment-408\" style=\"width: 759px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-408\" src=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/ricardo_swap.png\" alt=\"Swap zur Optimierung der Darlehenskonditionen\" width=\"759\" height=\"112\" srcset=\"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/ricardo_swap.png 759w, https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/ricardo_swap-300x44.png 300w, https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/ricardo_swap-500x74.png 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-408\" class=\"wp-caption-text\">Swap zur Optimierung der Darlehenskonditionen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Per Saldo haben beide Parteien durch den Swap ihre Wunschfinanzierung zu g\u00fcnstigeren Bedingungen erhalten als in der urspr\u00fcnglichen Konditionentabelle.<\/p>\n<p>Unternehmen A zahlt 6M EURIBOR + 0,05%, spart mithin 0,25 Prozentpunkte im Vergleich zur direkten Aufnahme eines variablen Darlehens. (Genau genommen spart A noch etwas mehr, denn die Tagesz\u00e4hlweise f\u00fcr EURIBOR ist i.d.R. ACT\/360, w\u00e4hrend die Zinstage auf der Fixseite \u00fcblicherweise mit 30E\/360 gez\u00e4hlt werden &#8211; aber diese Details sollen uns jetzt nicht interessieren).<\/p>\n<p>Unternehmen B zahlt 9,95% direkt an A und 1% verbleibenden Aufschlag (auch hier mit leicht anderer Tagesz\u00e4hlweise) aus den durchlaufenden EURIBOR-Str\u00f6men, insgesamt also 10,95% im Vergleich zu 11,2% bei direkter Aufnahme eines Festzinsdarlehens.<\/p>\n<h1>Kritik an der Win-Win-Darstellung<\/h1>\n<p>Der Swap f\u00fchrt also tats\u00e4chlich dazu, dass beide Parteien eine bessere Finanzierung erhalten. Weshalb soll das Modell in der Realit\u00e4t nicht funktionieren? Mir fallen auf Anhieb folgende Einw\u00e4nde ein:<\/p>\n<h2>Kr\u00e4ftverh\u00e4ltnis zwischen den Kontrahenten<\/h2>\n<p>Bereits gegen die urspr\u00fcngliche Argumentation von Ricardo hat es zahlreiche Einw\u00e4nde gegeben. Ricardo lie\u00df z.B. die Frage offen, wie der Spezialisierungsgewinn aufgeteilt werden sollte. Implizit wird immer davon ausgegangen, dass die beteiligten Akteure auf Augenh\u00f6he verhandeln und sich auf eine faire Aufteilung des Gewinns einigen &#8211; was immer auch &#8220;fair&#8221; in diesem Zusammenhang bedeuten mag&#8230;<\/p>\n<p>Davon kann aber in der Realit\u00e4t nicht immer ausgegangen werden. Dies gilt f\u00fcr das Swap Beispiel nat\u00fcrlich auch &#8211; insbesondere dann, wenn als Intermedi\u00e4r eine Bank auftritt, die naturgem\u00e4\u00df einen deutlichen Informationsvorteil hat:<\/p>\n<ul>\n<li>Nur die Bank kennt und setzt die Finanzierungsbedingungen von Unternehmen A und B. Die beiden Unternehmen selbst stehen in der Realit\u00e4t nicht in Kontakt zueinander. Daher kennen sie die realisierbare Gewinnspanne nicht.<\/li>\n<li>Die Unternehmen haben zudem auch nur in den seltensten F\u00e4llen die M\u00f6glichkeit, die Marktgerechtigkeit des angebotenen Swaps eigenst\u00e4ndig zu beurteilen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Referenzpunkt f\u00fcr die Gewinnbetrachtung<\/h2>\n<p>Ein weiterer Hinweis bezieht sich auf die Perspektive, aus der ein Gewinn f\u00fcr die beteiligten Parteien festgestellt wird. Das Modell besagt, dass die beteiligten Parteien durch den Swap <strong>im Vergleich zur Ausgangssituation<\/strong> (urspr\u00fcngliche Konditionentabelle) und mit Blick auf die <strong>damals vorherrschenden Pr\u00e4ferenzen<\/strong> (fixe oder variable Darlehensaufnahme) besser gestellt werden.<\/p>\n<p>Das bedeutet aber nicht, dass der Swap allein f\u00fcr jede der beteiligten Parteien am Ende einen Gewinn abwirft. Noch einmal: Swaps sind wie alle Derivate bilaterale Vertr\u00e4ge, bei denen der Gewinn einer Partei sich aus dem spiegelbildlichen Verlust der Gegenseite ergibt. Korrekt ist &#8211; bezogen auf das Modell &#8211; lediglich die Aussage, dass das <strong>Gesamtpaket von Swap und Darlehen<\/strong> in einer Idealwelt, in der eine Bank keinen Informationsvorteil gegen\u00fcber ihren Kontrahenten ausnutzt, preiswerter ist als die urspr\u00fcngliche direkte Darlehensaufnahme.<\/p>\n<p>In der Realit\u00e4t neigen Kontrahenten jedoch dazu, den Swap isoliert zu beurteilen und sind bei Verlusten aus dem Derivat entt\u00e4uscht, dass das vermeintliche Win-Win-Versprechen aus ihrer Sicht nicht gehalten wurde.<\/p>\n<h2>Bonit\u00e4tsbetrachtung<\/h2>\n<p>Hull selbst verweist in seinem Buch zudem auf den wichtigsten Einwand: Die Unterschiede in den Refinanzierungsbedingungen beider Unternehmen sind n\u00e4mlich nicht rein zuf\u00e4llig, sondern spiegeln die unterschiedliche Bonit\u00e4t beider Kontrahenten wider.<\/p>\n<p>Bei variablen Darlehen hat der Darlehensgeber die M\u00f6glichkeit, den Aufschlag zu den regelm\u00e4\u00dfigen &#8220;Reset-Terminen&#8221; anzupassen, sofern sich die Kreditw\u00fcrdigkeit des Darlehensnehmers verschlechtert hat und kann die Prolongation des Darlehens im Extremfall sogar verweigern. Bei Festzinsvereinbarungen ist der Darlehensgeber \u00fcber die gesamte Laufzeit an seine Zusage gebunden, was dazu f\u00fchrt, dass bei Festzinsdarlehen mit einem bonit\u00e4tsschwachen Kontrahenten h\u00f6here Aufschl\u00e4ge als bei variablen Darlehen eingefordert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Beide Unternehmen sind zudem Risiken ausgesetzt, die bei direkter Aufnahme nicht existiert h\u00e4tten:<\/p>\n<ul>\n<li>Unternehmen A muss bef\u00fcrchten, dass Unternehmen B als weniger kreditw\u00fcrdiges Unternehmen auf dem Swap ausf\u00e4llt &#8211; zumindest dann, wenn kein Besicherungsmechanismus existiert.<\/li>\n<li>Umgekehrt existiert dieses Risiko auch f\u00fcr Unternehmen B, denn ein h\u00f6heres Rating bedeutet ja nicht, dass ein Schuldner per se ausfallsicher ist. Lehman Brothers wurde kurz vor seiner Pleite von S&amp;P mit einem A+ Rating bedacht, etliche Super Senior Tranchen von sp\u00e4ter gescheiterten CDOs wurden 2008 ebenfalls noch mit einem AAA-Pr\u00e4dikat durch die f\u00fchrenden Rating-Agenturen versehen.<\/li>\n<li>Unternehmen B hat zudem ein weiteres Problem: Die durch den Swap dargestellte Refinanzierung zu (insgesamt) 10,95% funktioniert nur dann, wenn der Gl\u00e4ubiger weiter bereit ist, das variable Darlehen zu EURIBOR + 1% zu prolongieren. Verschlechtert sich die Kreditw\u00fcrdigkeit von B, so wird der Gl\u00e4ubiger aber einen h\u00f6heren Aufschlag verlangen oder gar die Prolongation verweigern.<\/li>\n<\/ul>\n<h1>Fazit<\/h1>\n<p>Die \u00dcbertragung des komparativen Kostenvorteils auf Zinsswaps eignet sich gro\u00dfartig f\u00fcr eine Aufgabe in einer Bachelor-Klausur in Investition &amp; Finanzierung. In der Realit\u00e4t stehen dieser Form der Kreditarbitrage jedoch erhebliche Einw\u00e4nde entgegen. Gleichwohl gibt es kaum einen \u00d6konomiestudenten, der nicht einmal in einer Vorlesung gesessen hat, in der ein Zinsswap als gelungenes Beispiel f\u00fcr eine Win-Win-Situation \u00e0 la Ricardo pr\u00e4sentiert wurde.<\/p>\n<p>Weshalb sich diese unkritische Darstellung des komparativen Kostenvorteils bei Swaps immer noch hartn\u00e4ckig in Literatur und Lehrbetrieb h\u00e4lt (<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=F-rmGTqKRTcC&amp;pg=PA289&amp;lpg=PA289&amp;dq=swap+komparativer+kostenvorteil&amp;source=bl&amp;ots=v2mhp26Wdg&amp;sig=SoT9nGFsZmSWfRmxHlwhcC1ecrk&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=95_3VMXTJ4KoPeS_gagD&amp;ved=0CDIQ6AEwBDgU#v=onepage&amp;q=swap%20komparativer%20kostenvorteil&amp;f=false\" target=\"_blank\">Kostprobe 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=24DaEl86Kg4C&amp;pg=PA93&amp;lpg=PA93&amp;dq=swap+komparativer+kostenvorteil&amp;source=bl&amp;ots=LhI_zLTWTZ&amp;sig=az_9wHren4h0iknaZXo14dMBTUk&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=kp73VKacKYi_PI2ogbgP&amp;ved=0CEAQ6AEwBTgK#v=onepage&amp;q=swap%20komparativer%20kostenvorteil&amp;f=false\" target=\"_blank\">Kostprobe 2<\/a>, <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=MttT3AuOiXMC&amp;pg=PA34&amp;lpg=PA34&amp;dq=swap+kostenvorteil+ricardo&amp;source=bl&amp;ots=OSjfP4va60&amp;sig=6yYjTQnRd2jHejqdMLq277UI-AQ&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=-Kj3VJO1HMjUOcaAgfAM&amp;ved=0CDkQ6AEwBA#v=onepage&amp;q=swap%20kostenvorteil%20ricardo&amp;f=false\" target=\"_blank\">Kostprobe 3<\/a>), dar\u00fcber kann ich nur mutma\u00dfen:<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt auf, dass die meisten dieser Werke von Autoren stammen, die selbst niemals einen praktischen Umgang mit Zinsderivaten hatten und auf diesem Fachgebiet eher als Generalisten agieren. Das Themenfeld der Derivate ist meist eine Art &#8220;Kuppelprodukt&#8221; eines anderen Spezialisierungsgebiets (h\u00e4ufig Bilanzierung, Investition &amp; Finanzierung u.\u00e4,). Es gilt mal wieder die <a href=\"http:\/\/youtu.be\/37CNSJJPwaA?t=1m2s\" target=\"_blank\">Ansage von Stromberg<\/a>: Wer etwas \u00fcber das Fliegen wissen will, sollte den Adler fragen &#8211; und nicht den Pinguin. &#8211; Womit ich jetzt nicht sagen will, dass der Pinguin nicht auch interessante Dinge erz\u00e4hlen k\u00f6nnte. Das kann er wohl &#8211; z.B. wie man barfu\u00df im Schnee l\u00e4uft, ohne sich zu erk\u00e4lten.<\/p>\n<p>Daneben sollte man immer ber\u00fccksichtigen, dass viele \u00d6konomieprofessoren nat\u00fcrlich entsprechende Beziehungen zur Finanzindustrie unterhalten. Zwar ist es gewiss nicht so, dass die gesamte Professorenschaft sich nebenberuflich als <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5msVl3oZl4U\" target=\"_blank\">Lobbyisten der Finanzdienstleister<\/a> verdingt. Gleichwohl kann der regelm\u00e4\u00dfige Umgang mit einer Branche nat\u00fcrlich dazu f\u00fchren, dass man sich unbewusst fremde Positionen zu eigen macht, die man ansonsten nicht in dieser Form vertreten h\u00e4tte.<\/p>\n<h1>Ausblick<\/h1>\n<p>Bislang habe ich immer F\u00e4lle dargestellt, in denen zwei Parteien unterschiedlichen Interessen- oder Ausgangslagen im Rahmen eines Swaps zu einer (mitunter vermeintlich) vorteilhafteren L\u00f6sung gefunden haben. Dies kann m.E. allerdings nicht die starken Wachstumsraten der Derivatums\u00e4tze seit den 80er Jahren erkl\u00e4ren. Der Hauptgrund d\u00fcrfte vielmehr darin bestehen, dass Zinsderivate den Finanzdienstleistern selbst v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten bei der sog. Fristen- und Risikotransformation er\u00f6ffnet haben. Mit diesem Anwendungsfeld von Swaps werde ich mich im n\u00e4chsten Teil besch\u00e4ftigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem fr\u00fcheren Beitrag hatte ich dargestellt, wie man mit Zinsderivaten wesentliche Eigenschaften von Grundgesch\u00e4ften (z.B. Darlehen) ver\u00e4ndern kann, ohne dass bei dem Grundgesch\u00e4ft selbst vertragliche \u00c4nderungen vorgenommen werden m\u00fcssen.<span class=\"more-button\"><a href=\"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=387\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\">Zum Nutzen von Swaps (Teil 2)<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[62,61,63,29,60],"class_list":["post-387","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-derivate","tag-david-ricardo","tag-komparativer-kostenvorteil","tag-win-win-situation","tag-zinsderivate","tag-zinsswap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=387"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":447,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions\/447"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}