{"id":484,"date":"2015-03-30T14:49:35","date_gmt":"2015-03-30T12:49:35","guid":{"rendered":"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=484"},"modified":"2015-04-04T15:35:25","modified_gmt":"2015-04-04T13:35:25","slug":"zum-nutzen-von-swaps-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=484","title":{"rendered":"Zum Nutzen von Swaps (Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-491 alignleft\" src=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Swap-150x150.jpg\" alt=\"Swap zur Durationsanpassung eines Darlehens\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>In den ersten beiden Teilen dieses Beitrags hatte ich u.a. darauf hingewiesen, dass ein Swap immer ein bilaterales Nullsummen-Spiel zwischen den Kontrahenten darstellt. Es ist daher keine &#8220;Gewinngarantie&#8221; f\u00fcr beide Parteien erreichbar &#8211; eine Fehlannahme, die auch im akademischen Umfeld tief verwurzelt ist.<\/p>\n<p>Der einzige bislang unzweifelhafte Vorteil solcher Derivatgesch\u00e4fte besteht darin, dass sie es erlauben, die \u00f6konomischen Bedingungen von Grundgesch\u00e4ften (z.B. bereits vergebene Darlehen oder emittierte Anleihen) abzu\u00e4ndern, ohne dass es einer vertraglichen \u00c4nderung des Grundgesch\u00e4fts bedarf. Daraus ergibt sich ein Einsatzfeld f\u00fcr Derivate, auf das ich heute kurz eingehen m\u00f6chte: f\u00fcr Kreditinstitute sind Zinsderivate n\u00e4mlich ein unverzichtbares Hilfsmittel bei der Risiko- und Fristentransformation.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h1>Was sind eigentlich die Funktionen einer Bank?<\/h1>\n<p>In der Standardliteratur zur Bankbetriebslehre werden Banken drei grundlegende Funktionen zugesprochen: Losgr\u00f6\u00dfen-, Risiko- und Fristentransformation.<\/p>\n<p>Die Fristenumwandlung ist die im klassischen Bankgesch\u00e4ft vermutlich wichtigste Transformationsfunktion. Banken \u00fcberbr\u00fccken die verschiedenen Fristigkeitsw\u00fcnsche von Einlegern (\u00fcberwiegend kurze Frist wie bei Spareinlagen oder Tagesgeld) und Darlehenskunden (typischerweise lang laufende Darlehen \u00fcber mehere Jahre). So fasst eine Bank z.B. ihr kurzfristig von Sparern zur Verf\u00fcgung gestellte Mittel zusammen, um etwa ein 15-j\u00e4hriges Immobiliendarlehen zu vergeben. Dies wirft f\u00fcr die Bank jedoch ein Problem auf:<\/p>\n<p>Was geschieht, wenn w\u00e4hrend der Kreditlaufzeit die (kurzfristigen) Geldmarktzinsen &#8211; welche die Bank an die Einleger zahlen muss &#8211; den Festzins des Immobiliendarlehens \u00fcbersteigen? In diesem Fall wird die &#8220;Zinsmarge&#8221;, aus der eine Bank \u00fcblicherweise ihren Gewinn bezieht, pl\u00f6tzlich negativ.<\/p>\n<p>In der Finanzmathematik wird dieser Sachverhalt als sog. &#8220;<strong>Durationsrisiko<\/strong>&#8221; bezeichnet. Die Fristentransformation ist in diesem Sinne eigentlich keine eigenst\u00e4ndige Bankfunktion, sondern lediglich ein (besonders prominenter) Fall der Risikotransformation.<\/p>\n<h1>Durationsrisiko im klassischen Bankgesch\u00e4ft<\/h1>\n<p>Das, was im vorherigen Abschnitt eher abstrakt als Gefahr einer m\u00f6glich negativen Zinsmarge f\u00fcr die Bank aufgezeigt wurde, kann mit Hilfe der Duration pr\u00e4zisiert werden. Grob gesprochen kann die Duration als Kenngr\u00f6\u00dfe daf\u00fcr genommen werden, wie empfindlich ein Zinsinstrument auf die Ver\u00e4nderung des Zinsniveaus reagiert.<\/p>\n<p>Dabei gilt als Faustregel: Je l\u00e4nger die Laufzeit (pr\u00e4ziser: die Zinsbindung) eines Instrumentes ist, desto h\u00f6her ist auch die Duration und desto empfindlicher reagiert der Preis (H\u00e4ndler w\u00fcrden vom Barwert sprechen) auf eine Ver\u00e4nderung der Zinsen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kreditinstitute stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Typischerweise besteht die Aktivseite einer Bankbilanz aus lang laufenden Anlagen (z.B. herausgegebene Darlehen und lang laufende Wertpapiere). Die Passivseite wird von hereingenommenen (kurzfristigen) Kundeneinlagen und Notenbankkrediten dominiert. Im Falle eines Anstiegs des Zinsniveaus verlieren die Anlagen auf der Aktivseite wegen der h\u00f6heren Duration schneller an Wert als die Verbindlichkeiten der Bank auf der Passivseite der Bilanz. Aus der Einf\u00fchrungsveranstaltung zur Finanzbuchhaltung wissen wir, dass eine Bilanz immer ausgeglichen sein muss. Wie also kommt die Bilanz wieder ins Gleichgewicht?<\/p>\n<p>Die Antwort lautet: Das Bilanzgleichgewicht kommt dadurch wieder zustande, dass auf der Passivseite das Eigenkapital entsprechend sinken muss. F\u00e4llt das Eigenkapital dann unter die vom Regulierer vorgegebene Mindestmarke oder wird es komplett aufgezehrt, so bedeutet dies das Ende der Bank.<\/p>\n<h1>Aktuelle Relevanz des Durationsrisikos<\/h1>\n<p>Die Aussicht auf steigende Zinsen bedeutet f\u00fcr Banken also zun\u00e4chst einmal, dass sie Gefahr laufen, insolvent zu werden. Da aufgrund der EU-seitig inszenierten &#8220;Banken- und Eurorettungsaktionen&#8221; die Zinsen auf ein noch nie da gewesenes Niveau herabdekretiert worden sind, beinhaltet dies eine besondere Brisanz: Wenn sich die Zinsen bereits auf einem faktischen Nullniveau bewegen, von dem sie zuk\u00fcnftig nur noch ansteigen k\u00f6nnen &#8211; wie sollen die Finanzinstitute dann sicherstellen, dass ihnen langfristige Darlehen, die sie nun zu einem Festzins nahe null herausreichen, in Zukunft nicht zum Verh\u00e4ngnis werden?<\/p>\n<p>Dieser Thematik hat sich vor kurzem auch ein Beitrag der FAZ gewidmet, der das Problem unter dem Titel &#8220;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/meine-finanzen\/sparen-und-geld-anlegen\/die-niedrigen-zinsen-bringen-sparkassen-in-bedraengnis-13402190.html\" target=\"_blank\">Niedrige Zinsen &#8211; wann schlie\u00dfen die ersten Sparkassen?<\/a>&#8221; aufgegriffen hat:<\/p>\n<blockquote><p>Sparkassen und Volksbanken droht ein Desaster. [&#8230;] Seit [&#8230;] klar ist, dass [&#8230;] Mario Draghi die Zinsen in Europa auf lange Zeit extrem niedrig lassen will, wird dar\u00fcber spekuliert, wie lange die regionalen Kreditinstitute das durchhalten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Artikel erfasst die Bedrohung f\u00fcr regionale Finanzinstitute allerdings nur partiell: er erkennt zwar die gegenw\u00e4rtige Problematik der r\u00fcckl\u00e4ufigen Differenz zwischen Darlehens- und Habenzinsen, aus der Sparkassen traditionell ihren Gewinn erwirtschaften. Weitgehend ausgeblendet wird jedoch die Gefahr einer &#8220;Bilanzinsolvenz&#8221;, die dadurch entsteht, dass die lang laufenden Aktiva bei einem Anstieg der Zinsen st\u00e4rker verlieren als die kurzfristigen Einlagen. Die Sparkassen &#8211; bislang der Goldesel der sie betreibenden Gebietsk\u00f6rperschaften &#8211; k\u00f6nnten also im Zuge der Euro-Rettungspolitik zum M\u00fchlenstein am Hals der Kommunen werden.<\/p>\n<h1>L\u00f6sungsans\u00e4tze<\/h1>\n<p>Wie kann sich ein Finanzinstitut also gegen Ver\u00e4nderungen im Zinsumfeld sch\u00fctzen? Immerhin sollte die Erkenntnis, dass sich Zinsen \u00e4ndern k\u00f6nnen, keine g\u00e4nzlich neue Tatsache f\u00fcr die Rahmenbedingungen des Bankgesch\u00e4fts darstellen. Neu ist vielmehr das Ausma\u00df, mit dem das EU-seitig verordnete &#8220;Whatever it takes&#8221; die Zinslandschaft umgepfl\u00fcgt hat.<\/p>\n<h2>Reservebildung<\/h2>\n<p>Die traditionelle Ma\u00dfnahme, mit denen Banken versucht haben, ihre Bilanz vor Zins\u00e4nderungen abzuschirmen, bestand in der Reservebildung. Auf diese Reserven zielt auch der Autor des besagten FAZ-Artikels ab:<\/p>\n<blockquote><p>Viele Institute haben noch satte Reserven aus der Vergangenheit, au\u00dferdem stehen sie innerhalb des Sparkassen- und Volksbankenverbundes im Notfall f\u00fcreinander ein. &#8220;Aber von 2018 an wird es ganz massive Probleme geben&#8221;, warnt Burghof.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn auch der Ausblick auf die Zukunft regionalen Kreditinstitute nicht von der Hand zu weisen ist, so enth\u00e4lt diese Aussage doch zwei erhebliche Fehlannahmen. Die erste &#8211; das sei hier nur am Rande erw\u00e4hnt &#8211; betrifft die Bankensicherungssysteme.<\/p>\n<p>Derartige Sicherungssysteme sind bestenfalls in der Lage, die isolierte Insolvenz einer Handvoll Einzelinstitute aufzufangen. Das Unwetter, welches sich im Zuge der &#8220;Euro-Rettung&#8221; \u00fcber den hiesigen regionalen Finanzinstituten zusammenbraut, betrifft jedoch <strong>alle Institute gleichzeitig<\/strong>. Was man von einem Sicherungsmechanismus erwarten darf, wenn sich pl\u00f6tzlich jedes Institut simultan von allen anderen retten lassen muss, zeigt ein Blick nach Island oder Zypern. Ironischerweise verlinkt der besagte FAZ-Beitrag auch gleich auf einen weiteren Beitrag mit dem Titel &#8220;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/meine-finanzen\/sparen-und-geld-anlegen\/nachrichten\/eu-verlangt-umstrittene-einlagesicherung-der-kreditinstitute-13443316.html\" target=\"_blank\">Im Haftungsfonds der Sparkassen fehlen Milliarden<\/a>&#8220;.<\/p>\n<p>Die zweite Fehlannahme besteht darin, dass die &#8220;Reservebildung&#8221; das einzige Instrument ist, das den Banken zur Fristentransformation zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<h2>Zinsswaps zur Steuerung der Durationsrisiken<\/h2>\n<h3>Nachteile der Reservebildung<\/h3>\n<p>Die Reservebildung ist ein \u00e4u\u00dferst antiquiertes Instrument zur Bewerkstelligung der Fristentransformation. Sie hat drei entscheidende Nachteile:<\/p>\n<p>Es besteht immer Ungewissheit, wie hoch eine Reserve sein muss, damit sie ausreicht, um die n\u00e4chste Krisenphase zu \u00fcberbr\u00fccken. Die Folgen einer <strong>Fehleinsch\u00e4tzung des Reserve-Bedarfs<\/strong> k\u00f6nnen &#8211; wie nunmehr bef\u00fcrchtet wird &#8211; fatal f\u00fcr ein Institut sein.<\/p>\n<p>Reserven k\u00f6nnen zu einer erh\u00f6hten <strong>Eigenkapital-Volatilit\u00e4t<\/strong> f\u00fchren. Wenn letzten Endes das Eigenkapital oder eigenkapitalnahe Bilanzposten die Reserve darstellen, dann schwankt die Eigenkapitaldecke des Instituts mit dem Zinsniveau. Da das Eigenkapital aber die zentrale Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Erf\u00fcllung der aufsichtsrechtlichen\u00a0 Mindestvorgaben darstellt, sollte eine Bank gerade daran interessiert sein, dass diese Bilanzposition stabil und planbar ist.<\/p>\n<p>Durch die Reservebildung wird die <strong>Ergebnisverantwortlichkeit<\/strong> der jeweiligen Institutsleitung verw\u00e4ssert. Da der Auf- und Abbau derartiger R\u00fccklagen \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume erfolgt, kann es sein, dass einer heute unzureichenden R\u00fccklage kein Vers\u00e4umnis des aktuellen Vorstands zugrunde liegt sondern vielmehr die Fehleinsch\u00e4tzung eines vergangenen Vorstands, der das Institut schon l\u00e4ngst verlassen hat.<\/p>\n<p>Schlimmer noch: Die Bonussysteme geben den Bankvorst\u00e4nden oft sogar den Anreiz, wissentlich zu geringe R\u00fccklagen aufzubauen, wenn der aktuelle Jahres\u00fcberschuss die prim\u00e4re Bemessungsgrundlage ihrer erfolgsabh\u00e4ngigen Verg\u00fctung darstellt. Auch wenn die Sparkassengruppe regelm\u00e4\u00dfig ihre Bodenst\u00e4ndigkeit in der \u00d6ffentlichkeit zelebriert, gen\u00fcgt ein Blick auf die <a href=\"http:\/\/www.versicherungsbote.de\/id\/4809573\/Sparkasse-Vorstandsgehaelter-Unmut-Debatte\/\" target=\"_blank\">Vorstandsverg\u00fctungen<\/a>, um zu erkennen, dass Sparkassenvorst\u00e4nde dem in der \u00d6ffentlichkeit mittlerweile ge\u00e4chteten Investmentbanker durchaus \u00e4hnlicher sind als bislang vielleicht angenommen.<\/p>\n<h3>Verwandlung von Festzinsvereinbarungen in variable darlehen<\/h3>\n<p>Nehmen wir an, eine Bank habe gerade ein Grundgesch\u00e4ft abgeschlossen, indem sie ein zehnj\u00e4hriges Immobiliendarlehen an einen H\u00e4uslebauer herausgereicht hat. Laut Interhyp w\u00e4re f\u00fcr ein solches Darlehen gegenw\u00e4rtig ein Festzins von ca. 0,6% zu entrichten. Dieses Darlehen hat sie dadurch finanziert, dass sie auf die 3M-Termineinlagen (Sparguthaben, Festgeld etc.) ihrer Kunden zur\u00fcckgegriffen hat. &#8211; Eine durchaus riskante Operation, denn sollten die Geldmarktzinsen \u00fcber 0,6% steigen, wird ihre Zinsmarge negativ.<\/p>\n<p>Die Bank kann jedoch einen Zinsswap abschlie\u00dfen, bei dem sie einen Festzins zahlt und 3M empf\u00e4ngt. Nach gegenw\u00e4rtiger Zinslage m\u00fcsste sie gegenw\u00e4rtig &#8211; je nach Tilgungsstruktur &#8211; etwa 0,20% als Festzins in einem solchen Swap zahlen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_491\" aria-describedby=\"caption-attachment-491\" style=\"width: 516px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Swap.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-491\" src=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Swap.jpg\" alt=\"Swap zur Durationsanpassung eines Darlehens\" width=\"516\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Swap.jpg 516w, https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Swap-300x196.jpg 300w, https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Swap-459x300.jpg 459w\" sizes=\"auto, (max-width: 516px) 100vw, 516px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-491\" class=\"wp-caption-text\">Laufende Zahlungsstr\u00f6me eines verswapten Festzinsdarlehens<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie aus der obigen Grafik erkennbar, ist die Bank nunmehr immun gegen einen etwaigen Anstieg der Geldmarktzinsen. Die urspr\u00fcnglichen Refinanzierungskosten in H\u00f6he des 3M-Satzes sind n\u00e4mlich zu einem durchlaufenden Posten geworden. Wie auch immer sich die Zinsen \u00fcber die Darlehenslaufzeit entwickeln werden: Der Bank flie\u00dfen vom Kunden 0,6% fest zu und unter dem Swap 0,2% ab, so dass ihr auf jeden Fall eine Zinsmarge von 40 Basispunkten verbleibt.<\/p>\n<p>Ein modernes Treasury-Management kann durch den Einsatz von Zinsderivaten also die Duration auf der Aktiv- und Passivseite der Bilanz steuern. Dazu wird jedes Zinsgesch\u00e4ft auf der Aktivseite so durch einen Swap ver\u00e4ndert, dass es durationsm\u00e4\u00dfig zur Finanzierung auf der Passivseite passt.<\/p>\n<h1>Externalisierung der Fristentransformation<\/h1>\n<p>Es verwundert daher nicht, dass gerade die Banken selbst den Derivatm\u00e4rkten in den vergangenen 30 Jahren zu einem spektakul\u00e4ren Wachstum verholfen haben. Parallel dazu trat w\u00e4hrend dieser Zeit allerdings auch die Entwicklung ein, dass Banken die ihnen obliegende Fristentransformation auf ihre Kunden \u00fcbertragen haben.<\/p>\n<p>Dies geschah und geschieht regelm\u00e4\u00dfig dadurch, dass die Banken einem Kunden, der ein Festzinsdarlehen haben m\u00f6chte, nur ein variables Darlehen anbieten und ihm dann nahelegen (oder h\u00e4ufig zur Bedingung machen), einen Zinsswap abzuschlie\u00dfen, bei dem der Kunde variabel empf\u00e4ngt und fest zahlt. Die Bank kann dann das variable Darlehen direkt gegen ihre variablen Refinanzierungskosten stellen und hat somit keinen Durationsversatz mehr, den sie noch durch einen Zinsswap beseitigen m\u00fcsste.<\/p>\n<h2>Rand- und Kernbestandteile einer Dienstleistung<\/h2>\n<p>Die Tendenz von Unternehmen, aus Gr\u00fcnden der Kostensenkung die Erbringung von Teilleistungen auf die Kunden zu \u00fcbertragen, ist eigentlich nicht ungew\u00f6hnlich:<\/p>\n<ul>\n<li>Superm\u00e4rkte lassen Kunden ihr Obst selbst abwiegen und an der Kasse die Waren selbst einscannen.<\/li>\n<li>Banken setzen f\u00fcr \u00dcberweisungen, Ein- und Auszahlungen der Kunden zunehmend auf Selbstbedienungs-Terminals.<\/li>\n<li>Fluggesellschaften lassen Kunden ihre die Tickets selbst ausdrucken.<\/li>\n<li>Automobilhersteller lassen Kunden ihren Pkw direkt am Werk abholen anstatt ihn\u00a0 auszuliefern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die \u00dcbertragung des Durationshedges auf den Kunden unterscheidet sich jedoch in einem Punkt ganz erheblich von den o.a. Beispielen: Normalerweise werden Kunden zur Eigenleistung bei <strong>Randaspekten<\/strong> des Leistungspaketes aufgefordert. Die Kernleistungen werden immer vom Dienstleister selbst erbracht. Ein Zahnarzt wird einen Patienten nicht auffordern, sich selbst schon einmal die Bet\u00e4ubungsspritze zu setzen, die Bahn erwartet von ihren Passagieren nicht, den Zug schon einmal selbst in den Bahnhof zu fahren, und ein Richter wird streitende Parteien nicht auffordern, selbst ein Urteil auf Basis der ausliegenden Gesetzestexte zu f\u00e4llen.<\/p>\n<h2>Gr\u00fcnde f\u00fcr das Outsourcen der Fristentransformation<\/h2>\n<p>Weshalb also halten Kreditinstitute ihre Kunden an, die zu den Bankobliegenheiten geh\u00f6rende Fristentransformation selbst durchzuf\u00fchren? Hierzu gibt es mehrere Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze, welche die Banken allesamt nicht in einem besonders guten Licht erscheinen lassen.<\/p>\n<h3>Unf\u00e4higkeit, selbst Derivatgesch\u00e4fte abzuschlie\u00dfen<\/h3>\n<p>Gerade kleinere und mittlere Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind selten in der Lage, die zur <a title=\"Bewertung von Zinsderivaten in Eigenregie\" href=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=190\">Handhabung von Zinsderivaten n\u00f6tige Infrastruktur<\/a> zu betreiben. Bevor ein Finanzinstitut solche Derivatprodukte in Eigenregie handeln kann, muss es in einem formal festgeschriebenen &#8220;Neuproduktprozess&#8221; umfangreich dokumentieren, dass es die technischen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen erf\u00fcllt. Mit wenigen Ausnahmen k\u00f6nnen nur Gro\u00dfsparkassen diesem Anspruch gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Institute, die den Aufwand f\u00fcr den Betrieb der erforderlichen Derivatmaschinerie nicht stemmen k\u00f6nnen, verbleibt somit der Ausweg, dem Kunden die Durchf\u00fchrung des Durationshedges aufzub\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ein derartiges Outsourcing ist allerdings in hohem Ma\u00dfe fragw\u00fcrdig. Banken wissen, dass die im Neuproduktprozess von der Aufsicht vorgegebenen Anforderungen nicht ohne Grund existieren. Wenn sie also erkannt haben, dass derartige Produkte mit ihrer eigenen Expertise und technischen Ausstattung nicht darstellbar sind &#8211; wie k\u00f6nnen sie dann einem Kunden, den sie beraten und der naturgem\u00e4\u00df eine geringere Expertise als sie selbst hat, ein solches Gesch\u00e4ft nahelegen? Wie l\u00e4sst sich die vor Gericht gerne vorgetragene Einrede beklagter Banken, dass strittige Zinsderivate ja eine &#8220;<a title=\"BGH: Bankhaftung f\u00fcr Verluste bei \u201ceinfach strukturierten\u201d Derivaten\" href=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=31\">geringe Komplexit\u00e4t<\/a>&#8221; h\u00e4tten, mit der Tatsache vereinen, dass viele Institute trotz ihrer Expertise selbst nicht in der Lage sind, diese <a title=\"BGH: Bankhaftung f\u00fcr Verluste bei \u201ceinfach strukturierten\u201d Derivaten\" href=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=31\">angeblich einfach strukturierten<\/a> Derivate zu handhaben?<\/p>\n<h3>Versteckte Zusatzmargen f\u00fcr die Bank<\/h3>\n<p>Oftmals gewinnt man den Eindruck, dass Banken ihren Kunden nicht trotz sondern gerade wegen der Komplexit\u00e4t zu einem Derivatgesch\u00e4ft raten. Die durch das Derivat herbeigef\u00fchrte Intransparenz erlaubt es der Bank n\u00e4mlich, neben der \u00fcblichen Kreditmarge auch noch eine weitere versteckte Abschlussmarge in das Derivat einzubauen.<\/p>\n<p>Ein derartiges von Eigeninteressen geleitetes Beratungsgebahren wirft allerdings nicht nur ein ungutes Licht auf die Banken. Es l\u00f6st vielmehr auch regelm\u00e4\u00dfig umfangreiche zivilrechtliche Schadensersatzanspr\u00fcche gegen die beratenden Banken aus &#8211; selbst, wenn der BGH in seinem <a title=\"BGH rudert bei Aufkl\u00e4rungspflicht \u00fcber negativen Marktwert zur\u00fcck\" href=\"http:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=58\">j\u00fcngsten Urteil <\/a>seine ablehnende Haltung zu einstrukturierten Margen etwas aufgeweicht hat.<\/p>\n<h1>Zusammenfassung und Ausblick<\/h1>\n<p>Im aktuellen Beitrag haben wir das Hauptszenario f\u00fcr einen sinnvollen Einsatz von Zinsderivaten kennengelernt &#8211; n\u00e4mlich zur Steuerung der Aktiv- und Passivduration einer Bankbilanz. Eine solche Steuerung kann aber nur dann funktionieren, wenn der Anwender \u00fcber weitreichende finanzmathematische Kenntnisse und eine umfangreiche Infrastruktur zur Handhabung solcher Gesch\u00e4fte verf\u00fcgt. Bei Nichtbanken &#8211; und sogar bei vielen mittleren und kleineren Instituten &#8211; ist eine Derivatnutzung daher selten sinnvoll. Raten Banken ihren Kunden dennoch zu Derivatgesch\u00e4ften, so ist oftmals damit zu rechnen, dass sie mit dieser Empfehlung Eigeninteressen verfolgen.<\/p>\n<p>Im vierten und letzten Teil dieser Serie werde ich mich der Frage widmen, wie Derivate gezielt von einem Anwender selbst genutzt werden, um z.B. die eigene Verschuldung zu verschleiern. Es geht also &#8211; um es mal mit den lateinischen Begriffen zu beschreiben &#8211; nicht um den usus, sondern vielmehr um den abusus von Zinsderivaten, der weiter verbreitet ist als man denkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den ersten beiden Teilen dieses Beitrags hatte ich u.a. darauf hingewiesen, dass ein Swap immer ein bilaterales Nullsummen-Spiel zwischen den Kontrahenten darstellt. Es ist daher keine &#8220;Gewinngarantie&#8221; f\u00fcr beide<span class=\"more-button\"><a href=\"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/?p=484\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\">Zum Nutzen von Swaps (Teil 3)<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[74,75,76,72,71,73,54,29,60],"class_list":["post-484","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-derivate","tag-bankmarge","tag-duration","tag-durationsrisiko","tag-fristentransformation","tag-funktion","tag-regionalbanken","tag-swap","tag-zinsderivate","tag-zinsswap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=484"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/484\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":508,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/484\/revisions\/508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hobbykeller.spdns.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}